Januar 24

Was ist Familienstellen / Familienaufstellung für Pferde?

Im Ursprung ist das Familienstellen, auch Familienaufstellung oder Systemische Aufstellungsarbeit genannt, eine Methode aus der Familientherapie.

Ein Klient hat ein Problem oder eine Krankheit und möchte zusätzlich zu den klassischen Fachleuten eine Familienaufstellung als weitere Unterstützung hinzuziehen.

 

Klassische Aufstellung in der Gruppe

Einzelne Personen werden als Stellvertreter für Familienmitglieder eines Klienten vom Klienten selbst in einem Raum verteilt. Dabei führt der Klient die Stellvertreter ganz bewusst durch den Raum, bis er spürt, wo der Platz eines jeden ist. Auch für den Klienten selbst wird ein Stellvertreter eingesetzt.

Ob ein Familienmitglied weit weg vom Klienten lebt oder schon verstorben ist, es gehört genauso zur Familie wie alle anderen.

Wenn die Stellvertreter an ihren Plätzen stehen, bekommen sie die Gelegenheit, sich in Ruhe einzufühlen. Dabei wissen sie nichts über die Person, für die sie Stellvertreter sind.

Spannend wird es, wenn jeder Stellvertreter berichtet, wie es ihm geht, zu wem der anderen Stellvertreter er eine gute Beziehung hat und von wem er gern mehr Abstand haben möchte. Oft entspricht es dem, was zwischen den tatsächlichen Personen ist.

Jeder Stellvertreter wird befragt, wie es ihm geht und was ihm spontan durch den Kopf geht. Auch kann er Körperbewegungen nachgehen, wie z. B. in die Knie gehen oder sich auf den Boden legen.

Einzelne Stellvertreter können sich miteinander unterhalten, befragt werden, Wünsche äußern und mitteilen, was ihnen in dem Familiensystem und auf ihrer Position gefällt, bzw. missfällt.

Alles, was in dieser Aufstellung gesagt, gefühlt und getan wird, entspricht den Dynamiken zwischen den tatsächlichen Menschen, die stellvertreten werden. Das haben unendlich viele Studien weltweit belegt.

Es gibt Ausnahmen. Wenn etwas mit den Stellvertretern selbst nicht stimmt, aber das ist sehr selten der Fall und wird von einem erfahrenen Familienaufsteller rechtzeitig erkannt, z. B. vorheriger Konsum von Alkohol, einnahme von starken Psychopharmaka oder ein schweres Trauma, das durch die Stellvertreterposition berührt wird.

 

Pferde in der Aufstellung

Haustiere gehören heute fast immer zur Familie dazu. So bekommen auch sie einen menschlichen Stellvertreter und einen Platz im Raum. Es spielt keine Rolle, um welche Art von Tieren es sich dabei handelt und wo sie leben oder ob sie noch am leben sind.

Es können demnach Pferde sein, die am Haus leben. Aber genauso können sie in einem Stall mehrere Kilometer weit weg vom Zuhause der Menschen leben.

 

Das Pferd bekommt eine menschliche Stimme

Der Stellvertreter für ein Pferd empfindet genauso intensiv, wie es dem Pferd geht, als wenn er einen Menschen stellvertritt. Er kann genau sagen, mit wem er sich auf der Position des Pferdes verbunden fühlt und, was ihm guttut. Er kann deutlich zeigen, ob er im Familiensystem einen guten Platz hat oder, ob er lieber an einen anderen Platz möchte.

Der Stellvertreter für das Pferd – und jedes andere Tier – kann befragt werden und kann Antworten geben.


Und schon sind wir bei einer sehr authentischen Tierkommunikation.

 

Verschiedene Konzepte des Familienstellens

Mittlerweile gibt es so viele unterschiedliche Herangehensweisen an eine Aufstellung, das sie hier kaum wiederzugeben sind. Jede Aufstellung ist anders. Und jeder Aufsteller entwickelt im Laufe der Zeit seine eigene Handschrift.

Aufstellungen können zu zweit oder in Gruppen in realen, sowie virtuellen Räumen stattfinden. Kleine Aufstellungen kann man auch allein machen. Alle Aufstellungen können mit menschlichen Stellvertretern, aber auch mit Figuren, Bodenankern oder beschrifteten Zetteln ausgeführt werden. Die Gegenstände, die als Ersatzt für Stellvertreter dienen, können auf einem Brett, auf dem Tisch oder auf einer großen Fläche auf dem Fußboden verteilt werden. Dabei kann sich der Klient selbst auf jede Position stellen und sich einfühlen.

Aufstellungen können auch rein im Geiste stattfinden und erstaunliche Ergebnisse liefern. Davon möchte ich hier nicht berichten.

 

Wer kann als Stellvertreter mitmachen?

Das Einfühlungsvermögen der Stellvertreter hängt stark davon ab, wie ihr Verstand offen ist für die einzelnen Methoden. Wer all dem offen gegenüber steht, wird erstaunt sein, wie tief er sich in andere Wesen einfühlen kann und, was er zu ihrem Besten beitragen kann.

Schon oft konnte ich beobachten, wie eher skeptische Menschen auf einer Stellvertreterposition erfahren durften, wie präzise sie die Bedürfnisse und Empfindungen der Person wahrgenommen haben, auf deren Position sie gestanden haben. Das sind so wunderbare Momente, wenn ihre Gesichter hell leuchten, weil sie eine ganz neue Ebene ihres Bewusstseins kennengelernt haben.

Niemand muss an irgendetwas glauben oder besondere Eigenschaften haben, um ein guter Stellvertreter zu sein.

 

Worum es geht beim Familienstellen

Es geht um Ordnung.

Immer dann, wenn in einer Familie die gesunde Struktur in Unordnung gerät, können negative Emotionen bis hin zu Gewalt entstehen, Notstand auf materieller und/oder seelischer Ebene, Schwierigkeiten außerhalb der Familie, z. B. im Berufsleben, in der Stallgemeinschaft, im Verein etc. Es kann auch bei einzelnen Familienmitgliedern Unordung in ihrem Inneren entstehen. Das kann sich zeigen durch Nervosität, Depression, Krankheit oder Widerstände ohne erkennbaren Grund.

In diese Dynamik sind alle Menschen und auch die Tiere in unserem System eingebunden, ob sie das wollen, oder nicht. Ob Erwachsene, Kinder, Pferde oder Hunde, die mutmaßlich Schwächsten im System sind besonders betroffen.

Darum ist es so hilfreich, sich auf diese Arbeit einzulassen. Und das nicht erst dann, wenn „das Kind im Brunnen liegt“, sondern auch prophylaktisch.

Oft kommen Menschen zu mir und sehen eine Aufstellung als letzte Rettung. Dabei haben sie vorher schon hohe Beträge in alle möglichen Hilfsangebote investiert. Schöner und wesentlich kostengünstiger ist es, auch „kleine Baustellen“ über eine Aufstellung zu beleuchten, in die Ordnung zurückzuführen, um größere Schäden zu vermeiden.

 

Vom Familienstellen zur Tierkommunikation

Im Weiteren beschreibe ich, wie es in meinen Aufstellungen mit den Pferden und anderen Tieren zugeht.

Meine Aufstellungsarbeit ist insbesondere auf die Pferde ausgerichtet. Fühle dich als Leser eingeladen, alles auch auf Hunde, Katzen und andere dir nahestehende Tiere zu beziehen.

Wir kommen unseren Tieren über eine Familienaufstellung näher, als wir es uns vorstellen können. Über einen Stellvertreter können wir direkt in einen Dialog in unserer menschlichen Sprache kommen.

So bist du ganz schnell in einer Tierkommunikation mit deinem Pferd.

Wir erfahren so viel über und von unserem Pferd, wie wir es ohne das Aufstellen im Bestfall nur vage vermuten konnten. In einer Aufstellung erleben wir eine Bestätigung, dass unser Gespür richtig ist oder, dass wir noch etwas übersehen haben.

Darum ist eine Aufstellung mit einem Pferd aus meiner Sicht ebenso eine Tierkommunikation.

 

Alles reine Vermutung und Fantasie oder etwa nicht?

Wer mit eigenen Tieren oder mit ihm bekannten Tieren eine Aufstellung macht, wird natürlich verleitet, Mutmaßungen anzustellen, anstatt seinen tiefen Intuitionen zu folgen.

Dafür habe ich einen kleinen Trick, mit dem wir in den Kleingruppen der „Feel Horses“ – MASTERCLASS gern arbeiten. Hier kennen sich die Teilnehmerinnen recht gut und wissen Einiges über ihre Pferde.

Wenn wir für ein Pferd arbeiten, schreiben wir die Namen aller Beteiligten auf je einen Zettel, drehen die Zettel um und mischen sie. Erst dann werden sie mit Gespür auf einen Platz auf dem Boden gelegt.

Das nenne ich „Verdeckte Aufstellung“. Dabei weiß der Stellvertreter nicht, auf welcher Position er gerade steht. Er kann also völlig frei von jeder Vermutung einfach wahrnehmen, was gerade ist.

Am Ende werden die Zettel umgedreht und die Geheimnisse gelüftet. Dabei gibt es immer wieder Überraschungen…. und manchmal auch etwas zu lachen. 🙂

So kam es vor, dass eine Reiterin sich selbst als „die Starke“ wähnte, und meinstee ihrem ach so sensiblen, Pferdchen helfen zu müssen, sich in der Herde zurechtzufinden. Und am Ende musste sie feststellen, dass sie selbst die Sensible war, die in ihrer Menschen-Herde Unterstützung brauchte und ihr Pferd ihr dabei eine starke Schulter bot.

Zum Glück können wir alle immer wieder über uns selbst lachen und darüber, wie wir immer mal gern im Dunkeln herumtappen und dabei von unseren Pferden kalt erwischt werden <img role=

 

Hierarchie in der Familie – Hierarchie in der Herde

Aus systemischer Sicht ist der, der zuerst da war, in der Hierarchie höherstehend, als der, der danach gekommen ist. Dabei ist höher nicht wertend gemeint im Sinne von besser.

In der klassischen Familie bedeutet das: Der Mann ist da, auf seinen Hof, in seinem Haus oder seiner Wohnung. Er „baut das Nest“. Die Frau kommt zu ihm dazu, in seine Familie. Im gegenzug dient der Mann seiner Frau. Damit ist der Ausgleich für die Hierarchie geschaffen. Die Frau trägt nach der Heirat seinen Familiennamen und wird in das Familiensystem des Mannes als „die Neue“ aufgenommen. Dann kommt das erste Kind, das zweite usw.

Lebt die Frau vielleicht auf dem Hof ihres verstorbenen Mannes und heiratet wieder, muss der erste Mann in der Rangordnung gewürdigt werden, damit der neue Mann einen guten Platz bekommt. Tut das Paar das nicht, gerät das Familiensystem in Unordnung, und ein schwächeres Mitglied in der Familie kann die Symptome tragen. Das kann Wut sein, innerer Rückzug oder gar Krankheit.

Es gibt viele Varianten von Unordnung, aber nur eine Ordnung.

 

Wer sagt, was „in Ordnung“ ist?

Das Leben und die Erfahrung zeigen es.

Bert Hellinger ist nicht der Einzige, der das Familienstellen über Jahrzehnte ausgeübt hat und immer wieder dieselben Beobachtungen gemacht hat. So ist im Laufe der Zeit eine Regelmäßigkeit erkannt worden. Im Rahmen der Systemischen Aufstellungsarbeit nach Hellinger ist diese Ordnung allgemein anerkannt.

Rangordnung und Hierarchie

Beides sind Begriffe, die einem modernen Menschen etwas übel aufstoßen mögen. Sie sind nicht im Sinne von Befehlshaberei gemeint. Vielmehr geht es um Würdigung.

Und um eines vorwegzunehmen: Unsere Tiere spüren, wenn die Rangordnung nicht eingehalten wird und zeigen es mit ihrem Verhalten. Besonders, wer seine Pferde  bei sich am Haus  hat, kann das gut beobachten.

Ist ein Mann verwitwet und heiratet eine neue Frau, muss diese die erste Frau des Mannes würdigen. Bringt sie eigene Kinder mit in die Ehe, stehen diese hinter den Kindern des Mannes, auch dann, wenn sie älter sind.

In der Praxis wissen das die wenigsten. Und mal ehrlich, wer denkt denn an so etwas, wenn sich zwei Familien zusammentun? Das ist in der heutigen Zeit schon fast normaler, als die klassische Familie.

Damit will ich sagen, dass es kaum eine Familie gibt, in der alles „in Ordnung“ ist. Überall ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Schon eine Fehlgeburt der Mutter kann Leid erzeugen, ohne, dass jemand dies als Ursache vermuten würde. Besonders, wenn es um Zwillinge geht und einer die Schwangerschaft nicht überlebt, gibt es Folgen für die ganze Familie. Es gibt nicht umsonst Therapeuten, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben.

Wie auch immer… Das Familienstellen bringt Licht ins Dunkle und macht Verbindungen sichtbar, von denen niemand etwas geahnt hat.

Und diese Verbindungen, die zur Unordnung führen – auch Verstrickungen genannt – werden in der Familienaufstellung in die Ordnung geführt.

Manchmal reicht schon eine einzige Aufstellung. Manchmal sind es jahrelange Prozesse, bis das Gröbste aufgeräumt ist. Es zeigen sich immer wieder neue Aspekte. Das ist vergleichbar mit einer Zwiebel. Haben wir eine Schicht bearbeitet, kommt dahinter die nächste. So ist das sog. „richtige Leben“ eben. <img role=“ />

Doch bevor wir einen „Aufräum-Wahn“ bekommen, ist es hilfreich, einen guten Umgang mit dem Durcheinander zu erlernen. Auch das gelingt durch Innenschau und Systemischer Aufstellungsarbeit.

Unsere Pferde spiegeln uns tagtäglich, wo wir gerade stehen.

 

Der Rang der Pferde in unserer Familie

Zugegeben, da gibt es noch keine verlässlichen Forschungen. Und auch meine Arbeit kann ich noch nicht dazu heranziehen, um zuverlässige Aussagen zu machen.

Sicherlich haben unsere liebsten Tiere einen Platz in den Familien. Sicherlich ist es anders, wenn die Frau ein Pferd hat und danach einen Menschenpartner findet, als wenn sie erst während ihrer Partnerschaft das Pferd anschafft.

Schreib mir doch einfach mal deine Erfahrungen.

Wie war es bei dir?

Wer war zuerst da, und wie kommen dein Partner und dein Pferd miteinander zurecht?

 

Wer gehört zur Familie dazu?

Die Zugehörigkeit zur sogenannten Herkunftsfamilie können wir uns nicht aussuchen. Wir gehören zu unserem leiblichen Vater, unserer leiblichen Mutter und unseren blutsverwandten Geschwistern. Ganz egal, wo sie leben, wie sie leben oder auch, wenn sie nicht mehr leben. Selbst wenn wir sie überhauptnicht kennen – wir sind mit ihnen verbunden.

Genau das ist unsere Herkunftsfamilie, und mit der gilt es im Reinen zu sein. Es geht darum, die einzelnen Mitglieder unserer biologischen Familie in der richtigen Reihenfolge zu würdigen.

Mögliche Stiefväter oder -mütter, Pflegeeltern, Omas und Opas oder Tanten, die dir nähergestanden haben, als deine leiblichen Eltern, stehen trotzdem in der Rangordnung hinter deinen biologischen Eltern.

Geschwister aus ersten Ehen deiner Eltern stehen vor dir. Geschwister, die vielleicht von deinem Vater gezeugt wurden, ohne, dass er selbst davon erfahren hat, müssen den richtigen Platz im Familiensystem bekommen. Andernfalls wird früher oder später Leid in die Familie kommen. Das mag wie eine Drohung oder Prophezeiung klingen, ist aber im Sinne des Systemischen Familienstellens ein Naturgesetz.

 

Weitere Systeme

Natürlich gibt es noch mehr Systeme, als nur das der Familie. Alle Erfahrungen, die wir in und mit unseren Familien gemacht haben, übernehmen wir in andere Systeme, zumindest solange, wie wir unbewusst damit umgehen. Werden wir uns zum Beispiel durch eine Familienaufstellung darüber bewusst, welche Verstrickungen wir aus unserer Herkunftsfamilie mitbringen, können wir die alten Muster loslassen und neue, hilfreichere entwickeln.

Diese helfen uns dann, in anderen Systemen gut zurecht zu kommen.

Stallgemeinschaft

In der Stallgemeinschaft (ein eigenes System) sollte der Betreiber in der Rangordnung an erster Stelle stehen.

Danach kommt seine Ehefrau oder Partnerin, seine Kinder und dann die Belegschaft in der Reihenfolge, wie sie auf den Hof gekommen sind.

Dann kommen die Einsteller, ebenfalls in der Reihenfolge, wie sie auf den Hof gekommen sind.

Kommt jemand Neues an deinen Stall und hat ein vorlautes und bestimmendes Auftreten, will vielleicht sogar alt Eingefahrenes ändern, wird er dir nicht besonders sympathisch sein. Selbst, wenn seine Ideen durchaus sinnvoll sind, würde die innere Ordnung der Stallgemeinschaft durcheinandergeraten, wenn dem nachgegangen würde.

Die Vorherigen zu würdigen, könnte so aussehen, dass „der Neue“ zu einem der „alten Hasen“ gehen und nebenbei erwähnen würde, was er beobachtet hat und, dass er andere Erfahrungen gemacht hat, die diese und jene Vorteile gehabt hätten. Damit könnte dann derjenige zum Stallbetreiber gehen und es ihm vortragen. So wäre die Rangordnung gewürdigt und die Veränderung möglich, ohne die Ordnung der Stallgemeinschaft zu stören.

Ist das Klima zwischen den Menschen im Stall gut, geht es den Pferden deutlich besser, als wenn ein schlechtes Stallklima herrscht. Darum ist es allein für unsere Pferde ein erstrebenswertes Ziel, für ein freundschaftliches oder zumindest respektvolles Miteinander zu sorgen.

Reitverein

Hier gibt es noch die herkömmlichen Strukturen von Hierarchie. Es ist einfach, diese zu erkennen. Auch hier ist es wichtig, dass der Vorsitzende seine Position voll und ganz einnimmt und sich nicht gefallen lässt, wenn jemand ihn untergraben will. Da ist Führungsqualität auf souveräne Weise gefragt.

Sinnvoll ist es, wenn jemand, der schon lange zum Verein dazu gehört, diesen Vorsitz übernimmt. Schwer hat es jemand, der vielleicht im Ort neu zugezogen ist, und sofort ein hohes Amt im Verein übernimmt.

 

Wenn jemand ausgeschlossen wird

Besondere Probleme bereitet es den Zugehörigen einer Familie oder eines anderen Systems, wenn jemand ausgeschlossen wird oder, wenn wir uns selbst aus einem System ausschließen.

Eine Familie kann innere Werte und Glaubenssätze haben, mit denen eines der Kinder nicht übereinstimmt. Es hat das Gefühl, nicht dazuzugehören, irgendwie anders zu sein und schließt sich selbst aus. Oder die anderen versuchen, es in seiner Meinung zu manipulieren, in der guten Absicht, das Abtrünnige wieder voll zu integrieren. Wenn das nicht funktioniert, wird es von Eltern und/oder Geschwistern ausgeschlossen.

Damit wird nicht nur dem Ausgeschlossenen geschadet, sondern das gesamte Familiensystem erfährt Leid.

Das Anderssein eines Familienmitgliedes zu achten und es gleichzeitig im System der Familie an seinem Platz zu würdigen, erfordert eine große Reife der Familienmitglieder und ist heute leider noch nicht selbstverständlich.

Über eine Familienaufstellung kann der Ausgeschlossene Frieden mit den Familienmitgliedern finden und sie darin würdigen, dass sie diese Sicht derzeit nicht haben.

Auch das erfordert eine gewisse Reife, oder: Durch eine Familienausfstellung erlernen wir diese Reife.

Diese nehmen wir mit in andere Systeme und profitieren davon.

 

Was hat unser Pferd von einer Aufstellung?

Je souveräner wir selbst sind, desto mehr achtet unser Pferd uns als Führungspersönlichkeit, desto leichter haben wir es im Umgang mit unseren Haustieren.

Und je mehr innere Ordnung wir selbst haben, desto mehr Vertrauen hat unser Pferd zu uns.

In einer Wildpferde-Herde ist derjenige Hengst das Leittier, der den anderen Pferden gegenüber die größte Souveränität zeigt. Nicht der aggressivste oder der dominanteste wird von den anderen geachtet. So ist es auch bei uns Menschen.

Klarheit im Auftreten, innere Aufrichtung und ein guter Kontakt zu sich selbst sind wichtige Eigenschaften für eine Führungspersönlichkeit.

Das ist eines der scheinbaren Geheimnisse der „Pferdeflüsterer“, die im Handumdrehen ein sich wehrendes, menschenfeindliches Pferd zu ihrem Freund machen können.

 

Wenn ein anderer die Rolle des Ausgeschlossenen übernimmt

Nehmen wir an, jemand aus deinem System ist ausgeschlossen worden. Vielleicht ist er zu früh gestorben und nicht mehr beachtet oder aufgrund von häufigem, aus Sicht der Familie fehlgeleitetem Verhalten ausgegrenzt worden.

Wie auch immer: Er ist weg. Er hinterlässt eine Lücke auf seinem Platz im System.

Dann wird automatisch jemand anderes, bewusst, meist aber unbewusst, seinen Platz einnehmen. Er ist dann identifiziert mit der fehlenden Person.

Beispiel: Stirbt ein Vater früh, übernimmt oft der älteste Sohn die Vaterrolle. Dieser Platz steht ihm aber nicht zu. Das System gerät in Unordnung. Einer in dere Familie wird ein Leid tragen oder auch alle gemeinsam. Wer Mitglied eines solchen Familiensystems ist, kann sich dieses Schicksal nicht aussuchen.

Diese sogenannten Identifikationen treten allzu häufig auf und bleiben fast immer unerkannt. Die Person, die einen Platz für einen anderen einnimmt, ist häufig überfordert, wird aggressiv, vor allem dann, wenn die anderen erwarten, dass sie den Platz einnimmt. Es kann auch sein, dass sie ganz raus geht aus dem System. Wieder ein leerer Platz und wieder mehr Leid für alle.

 

Warum ist die menschliche Ordnung wichtig für unsere Pferde

Die schwächsten Glieder in der Kette der Hierarchie übernehmen am meisten Leid. Die jüngsten Kinder, unsere Tiere oder seelisch instabile Mitglieder der Familie sind am häufigsten betroffen.

Es heißt: Die ganze Familie ist krank, doch nur einer ist der Symptom-Träger.

Das kann auch unser Pferd sein.

Besonders hellhörig werde ich, wenn mir jemand erzählt, wie viele Fachleute er schon wegen Symptomen oder auffälliger Verhaltensweisen seines Pferdes aufgesucht hat. Doch niemand konnte wirklich nachhaltig helfen.

Dann ist es naheliegend, einer solchen Kette von Familienausschlüssen nachzugehen. Lösen wir sie Schritt für Schritt auf und bringen Ordnung und Frieden zurück in das innere Bild von der Herkunftsfamilie, wird es dem Pferd oder einem anderen, schwachen Mitglied der Familie und auch der Familie als Ganzem zugutekommen.

Es lohnt sich also immer, parallel zu den herkömmlichen Behandlungen eine Familienaufstellung hinzuzuziehen.

 

„Lieber leide ich, als du.“

Es gibt eine weitere, verborgene Dynamik in Familien. Wenn es einem schlecht geht, möchte ein anderer, in der Rangordnung nach ihm stehender, sein Leid für ihn tragen.

Das macht kaum jemand ganz bewusst. Es ist eine Dynamik, die einfach passiert, solange jemand Teil des Systems ist. Wenn zum Beispiel eine Mutter schwer an Krebs erkrankt ist, kann es sein, dass ein Kind unbewusst das Leid der Mutter übernimmt, ebenfalls schwer krank wird und sogar sterben kann. Das ist eine Art von Treue, die bis über den Tod hinaus geht.

Diese Dynamik kann auch unsere Tiere ergreifen. So habe ich es schon zweimal erlebt, dass ein Hund an Krebs erkrankt ist. Die jeweiligen Halterinnen waren zeitgleich vor einer Krebserkrankung genesen, während die beiden Hunde, beide schön älter, der Krankheit erlegen sind.

Es muss bei dieser Leidensübernahme nicht immer um Leben und Tod gehen. Fakt ist, wenn wir diese Dynamik aus dem Unbewussten ins Bewusstsein holen, ist schon ein erster Schritt getan, um Heilungsschritte für das gesamte Familiensystem zu machen. Und genau das kann in einer Familienaufstellung passieren.

Hier handelt es sich übrigens um eine wissenschaftlich belegte Dynamik. Wenn du daran interessiert bist, google den Begriff „Epigenetik“ und Prof. Matthias Beck. Sein Buch „Krebs. Körper, Geist und Seele einer Krankheit“ (2017) handelt genau von dieser Dynamik. Am Rande bemerkt, ist Matthias Beck in seiner Bundewehrzeit in der Dressur bis zur Klasse „S“ geritten.

 

Wie hilft mir eine Familienaufstellung mit meinem Pferd?

Wenn du dir durch eine Familienaufstellung deiner inneren Verstrickungen bewusst wirst – und du musst sie nicht alle gleich in die Ordnung bringen, dann wird sich dein Pferd mit dir viel sicherer fühlen, dir folgen. Beim Reiten kann es sich b esser auf dich einlassen und losgelassener bewegen.

Gerade dann, wenn es in die feineren Reitweisen geht und minimale Anspannungen kleinster Muskelpartien zu einer Reaktion beim Pferd führen, kommt das Gefühl von Einklang, miteinander tanzen und schweben auf.

Ein Berufsreiter hat einmal zu mir gesagt: „Dressurreiten ist, wie Klavierspielen.“

So kann es sich anfühlen, wenn du aus deiner inneren, bewussten und hoch konzentrierten Mitte heraus eine Lektion reitest und dein Pferd scheinbar deine Gedanken liest und sie zeitgleich ausführt.

 

Was bringt mir die Familienaufstellung für das Reiten?

Du denkst „Galopp“ und dein Pferd springt an.

Du atmest aus und dein Pferd steht.

Du machst dich einen halben Zentimeter größer, erhöhst deine Körperspannung ein wenig und dein Pferd versammelt sich etwas mehr.

Oder bist du mehr dem Springen zugetan?

Stell dir vor, du fliegst mit deinem Pferd durch den Parcours ohne eine einzige Korrektur.

Dein Pferd „weiß“ schon über den Sprung, wohin es abwenden muss zum nächsten und wendet geschmeindig ab, ohne dass du viel dazutun musst.

Ihr seid nicht nur das schnellste, sondern auch das eleganteste Paar in der Prüfung.

Dein Pferd kämpft über seine Verhältnisse hinaus für dich, obwohl du es gar nicht von ihm verlangst?

Und am Ende seid ihr beide stolz und glücklich über eure Erfolge und genießt den Applaus.

 

Möchtest du tiefe Harmonie beim Reiten erleben?

Auch wenn du nicht im Pferdestall geboren und aufgewachsen bist und keine Eltern hattest, die dir mit zwei Jahren das erste Pony gekauft haben, hast du die Chance auf dieses tiefe Einvernehmen mit deinem Pferd.

Und auch, wenn du all das oben Beschriebene gar nicht erleben, sondern einfach nur in friedlicher Entspanntheit mit deinem Pferd durch die Wälder streifen, dich von ihm voller Vertrauen tragen lassen willst, auch dann lohnt es sich, diesen Weg zu gehen.

Fang an, dieses Gefühl in dir selbst zu erwecken, indem du echten, inneren Frieden mit deinen engsten Familienmitgliedern findest, die Verstrickungen auflöst, durch die du Blockaden mit dir herumträgst und ohne es zu wissen, weitergibst.

Weite ganz ohne dein bewusstes Dazutun diesen Frieden auf die Beziehung zu deinem Pferd aus. Es wird dir augenblicklich spiegeln, was sich in deinem Innersten verändert hat und dir all das schenken, was du dir selbst in deinen kühnsten Träumen von ihm nicht vorstellen konntest.

 

Und das ist noch lange nicht alles

Das Familienstellen beinhaltet noch einige weitere Grundlagen. Doch an dieser Stelle soll es erst einmal reichen.

 

Freu dich schon auf den nächsten Blogtext, der lauten wird:

Wer bin ich für mein Pferd?

Untertitel: Wer bin ich, wenn alles um mich herum wegfällt?

Der Artikel erscheint am 18. Februar und macht neugierig auf den gleichnamigen Workshop am 4. März.

 

Was du jetzt tun kannst

In diesem Blogbeitrag hast Du mehr über die Welt der Familienaufstellung für Pferde erfahren und weißt nun bereits, wie diese dir und deinem Pferd helfen kann. Zum Thema Familienstellen gibt es natürlich noch viele weitere Inhalte, über die ich in folgenden Beiträgen berichten werden.

Wenn du mehr über die Möglichkeiten der Familienaufstellung für dich und dein Pferd erfahren möchtest, trage dich jetzt in unseren Newsletter ein. So erhältst du eine Benachrichtigung, sobald unser nächster Blogartikel erscheint.

Und bei der Gelegenheit lade dir gleich mal die Anleitung für eine Mini-Aufstellung runter, die du direkt machen kannst. Du findest sie auf meiner Homepage ganz oben.

 

 

Wenn du Familienstellen selbst erleben willst

Der Workshop „Lass uns das mal aufstellen“ – Einstieg in das Familienstellen findet am 11. Februar statt. Sichere dir jetzt einen Platz.

 

Wenn du gleich aufs Ganze gehen willst

Du möchtest noch intensiver in das Thema einsteigen und die Beziehung zu deinem Pferd weiter verbessern?

Dann melde dich jetzt für unsere „Feel Horses“ – MASTERCLASS 2023 an. Derzeit sind noch 3 Plätze verfügbar und Du kannst dich bis zum 7. Februar anmelden.